Jens: Die Apotheose der Tomate

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Vor Jahren habe ich mal einenText geschrieben. Ich befand mich vor dem Wartezimmer meines Professors, die Sprechstunde dauerte bei dem Typen vor mir schon wieder viel zu lange. In diesem engen Flur starrte ich auf die Tür vor mir. Mir kam etwas in den Sinn, worüber ich bereits vorige Nacht schon einmal drüber nachgedacht hatte. Jetzt war die Zeit gekommen. 

Ihr lest den Text leicht korrigiert, aber mit allem inhaltlichen Schwachsinn von damals! Wenn jemand auch solche Gedanken hat, mit meiner Interpretation nicht einverstanden ist oder einfach auch mal mit ein paar Fremdwörtern hantieren möchte, die er nicht versteht, bitte zögert nicht!

Jens/ MEXIIM

 

Die Apotheose der Tomate


Als ich letzte Nacht in meinem Bett lag und mein Gehirn noch auf Hochtouren den vergangenen Tag verarbeitete, kam es mir instinktiv in den Sinn, wie eine Stimme, die mich aufforderte, hier und jetzt etwas kluges von mir zu geben. Eine intelligente Redewendung etwa, an der sich auch andere das Hirn zermatern könnten. Also habe ich beschlossen, auf keinen Fall nachzudenken, sondern meiner Kreativität freien Lauf zu lassen. Mein Gehirn ließ sich nicht lange bitten und es schoss mir in den Kopf:


Interessiert mich nicht die Bohne, sprach die Tomate und sprang in den Salat!“


Wunderbar. Toll gemacht, Gehirn! Egal, immerhin überhaupt etwas. Doch bevor ich drauf und dran war, mein Kreativitätsprodukt wieder zu vergessen, sagte ich mir, Moment, mach dir doch erstmal die Mühe und denk drüber nach! Ok, dann mal los…

Also formal gibt es hier nicht viel zu holen. Aber man könnte vielleicht sagen, dass eine bestimmte Analogie zwischen dem Ausspruch der Tomate und ihrer eigenen Existenz besteht. Bohnen und Tomaten lassen sich unter dem Gesamtbegriff „Gemüse“ subsumieren. So weit, so gut. Weiterhin springt die Tomate nun in den Salat. Sie ist also zu eigenem, bewusstem Handeln und Denken fähig. Warum springt sie dann in den Salat? Weiß sie denn nicht, dass diese Tat ihr Ende besiegelt? An dieser Stelle sollte man vielleicht kurz über den Salat nachdenken. Salat wird meines Erachtens nach definiert als Endprodukt eines Fertigungsprozesses von Menschen zum Zwecke der Nahrungsaufnahme nach vorgegebenem, variierbarem Rezept... in den meisten Fällen eine Ansammlung von Grünzeug. Obwohl ich Nudelsalat, Kartoffelsalat und andere Salate nicht diskriminieren möchte, geht es hier doch hauptsächlich um den mit dem Grünzeug. Zurück zum Thema. Inhaltlich ist Salat also ganz grob betrachtet eine Ansammlung unterschiedlichster Sorten von Nahrung, welche wir Menschen in uns reinstopfen. Die Tomate erklärt also vorher ihr Desinteresse, um sich dann selbstlos, vielleicht sogar für uns, zu opfern. Sie will entweder teilhaben am Dasein im Salat oder in ihm untergehen. Eine allegorische Darstellung einer Art Selbstzerstörung für ein höheres Ziel? Transzendentalpragmatismus und performativer Selbstwiderspruch werden sich bestimmt viele von euch jetzt denken. Ok, geht schon mal ganz gut.

Auf der anderen Seite kann man vielleicht noch in der Farbe der Tomate -rot- eine Beziehung zum Kommunismus herstellen. Wir sind heute mutig. Wenn der Salat das Kollektiv darstellt, quasi die Auflösung des Individuums innerhalb einer Gesellschaft, gliedert sich die Tomate somit freiwillig in dieses System ein. Wieder eine Art Selbstvernichtung, diesmal aber der Individualität, nicht der Existenz, aber wieder für ein Ziel, was durch alleiniges Bestehen nicht erreicht werden kann. Fragt sich nur, wer in dem Salat das revolutionierende Subjekt war! Wie euch wahrscheinlich aufgefallen ist, hinkt dieser Vergleich etwas, da man den Salat wahrhaftig nicht als einheitliches Kollektiv sehen kann. Da sind ja viele verschiedene Sorten drin Aber irgendwie...?

Zum Schluss bleibt festzustellen, dass sich mein kreativer Erguss wohl nicht behaupten kann. Formale und inhaltliche Sackgassen. Übrig allein bleibt meine Überzeugung, dass die Emanzipation der Absurdität mir trotz allem riesigen Spaß gemacht hat und dass die Aufgabe von Eigeninteressen zum Wohle von Anderen vielleicht doch was Gutes für sich hat. Hatte das die Tomate vor? Die Tomate als Sinnbild einer aufopfernden, selbstzerstörerischen Moral? Wenn das Nietzsche lesen würde, er wäre erzürnt ob ihrer Dekadenz. Die Tomate möge aristotelische Katharsis in uns allen bringen. Der Apotheose steht nichts mehr im Weg.

Also hat der ganze Mist doch irgendwie Sinn gehabt oder?


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